Nicolai Levin

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“Kannst du mir nicht einen guten Steuerberater empfehlen …?”

Nein, kann ich leider nicht! Selbst wenn ich gerne würde. Ich will Ihnen sagen, wie das kommt.

Ort der Handlung: eine Kneipe. Personen: ein Freund, ich. Auf dem Tisch: zwei halbvolle Biergläser. Ein beinah leergefuttertes Tellerchen mit Oliven. Zahnstocher. Ein zerfledderter Bierdeckel (mein Freund ist ein eher nervöser Typ, der immer was tun muss mit den Händen).

Freund so: “Scheiße, ich brauch einen Steuerberater!”

Ich so: “Hmmmm.”

Freund so: “Kannst du mir nicht einen empfehlen?”

Ich so: “Mmh, ähh, puuuuhhhhhh ….”

Freund so: “Aber, Nico, du hast doch einen Steuerberater?”

Ich so: “Ja, schon.”

Freund so: “Und? Kannst du den zum Beispiel empfehlen?”

Ich so: “Ja. Nein. Also …”

Genau, da geht’s los. Ich weiß nicht, ob ich meinen Steuerberater empfehlen kann. Und sicherheitshalber tu ich’s lieber nicht. Wär auch sinnlos, aber dazu später.

Es ist nämlich so: Ich kann meine Steuererklärung nicht einfach so selbst machen. Bei mir ist es ein bisschen kompliziert mit der Zurechnung von unselbständiger und selbständiger Tätigkeit und ein paar Besonderheiten – ich will Sie da gar nicht mit Details langweilen …

Ich will meine Steuererklärung auch gar nicht selbst machen. Mir ist das zuwider. Ich bin heilfroh, wenn sich jemand anderes um diesen Scheiß kümmert.

Es gibt ja so Menschen, die haben einen Heidenspaß daran, stundenlang durchs Netz zu surfen, um ein Aktenzeichen herauszubekommen, das ihnen belegt, dass sie den Dünger für die Yuccapalme, die in ihrem teilgenutzten Arbeitszimmer steht, voll steuerlich anrechnen können. Die freuen sich dann diebisch über 20 Cent, die sie an Steuern gespart haben.

Mir ist dafür die Zeit zu schade, diese kindliche Freude an der Schnitzeljagd kann ich nicht nachvollziehen. Ich schreibe während dieser Zeit lieber einen neunmalklugen Blogbeitrag, den keine Sau liest.

Jedenfalls funktioniert das bei meinem Steuerberater so, dass ich ihm alle Belege schicke, die ich so übers Jahr gesammelt habe, und er dann daraus meine Steuererklärung bastelt. Meist ruft er nach ein paar Tagen noch mal an und fragt, ob ich bei dem Kongress der Philatelisten im März nicht auch zu Abend gegessen hätte und dafür einen Restaurantbeleg liefern könnte. Andernfalls würde er was Pauschales anrechnen. Und ob ich denn nicht wie in all den Jahren zuvor den Ärzten ohne Grenzen was gespendet hätte (Kontoauszug reicht). Und dann scherzen wir wieder, dass mein Superlos der Aktion Mensch auch in diesem Jahr nicht steuerlich anerkannt werden wird, weil ich ja was damit gewinnen kann.

Irgendwann bekomme ich dann einen dicken Packen Papiere, ich unterschreibe das Formular und dann setzt das Finanzamt meine Steuerlast mehr oder weniger so fest, wie der Steuerberater das vorausberechnet hat. Worauf ich mich verlassen kann, ist, dass mein Steuerberater keinerlei Schweinereien macht: Er ist bei so einer etwas abseitigen Religionsgemeinschaft, die es mit der Wahrheit sehr genau nimmt. Das finde ich beruhigend.

Ist das alles nun gut?

Müsste ich bei einem anderen Steuerberater vielleicht deutlich weniger Steuern zahlen? Ich weiß es nicht.

Das ist ja das Seltsame bei Ärzten, Anwälten, Steuerberatern – man hat so ein Gefühl, wie gut man sich betreut fühlt, man sieht ein Ergebnis, aber so richtig vergleichen fällt schwer. Mir ist das auch nicht so fürchterlich wichtig, ob ein anderer Steuerberater möglicherweise 20 Euro mehr herausgeholt hätte, da fehlt mir wieder der Jagdinstinkt; für mich steht der reibungslose Service im Vordergrund.

Zum Weiterempfehlen fehlt mir aber dann doch der Mut.

Ich selbst bin auch nicht durch Empfehlung zu meinem Steuerberater gekommen. Er ist ein langjähriger Bekannter, den ich halt irgendwann beauftragt habe, als es mir selbst zu blöd geworden ist. Sein Honorar finde ich fair,  er steht mir nicht zu nahe – das wäre mir auch nicht recht -, aber er kennt mich gut genug, dass wir reibungslos zusammenarbeiten können.

Wenn Sie jetzt bezüglich Ihrer Steuerlast ähnlich denken wie ich und Sie finden, dass ich es richtig gut getroffen habe und von mir Kontaktdaten haben wollen, muss ich Sie leider trotzdem enttäuschen. Mein Steuerberater macht das nur in Teilzeit, und er nimmt keine neuen Mandate mehr an.

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