Nicolai Levin

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Momente des Lächelns (8)

Im Hotel wollen sie sichergehen, dass sich niemand, der kein Gast ist, den Zugang zum üppigen Frühstücksbuffet erschleicht. Angesichts des Angebots von frischem Obstsalat, Eiervariationen, Müsli, Brötchen und Kuchen aller Art lässt sich die Versuchung schon nachvollziehen. Und die vielen flinken Hände, die herumwuseln, das Buffet erneuern, die Teller abräumen: Sie kennen den Eincheckstatus der Gesichter ja nicht wie die Kollegen von der Rezeption.

Also muss man beim Eintreten an einem Zerberus vorbei. Der will immer die Zimmernummer wissen, bevor er einen ans Buffet lässt. Nun ist dieses System alles andere als einbruchsicher: Kleine Familienhotels numerieren ihre Zimmer immer aufsteigend. Mit „Zimmer 7“ kann man in solchen Häusern eigentlich nichts verkehrt machen, das gibt es immer. Die großen Ketten folgen der Logik, erst das Stockwerk, dann die Zimmer zu benummern: Also muss es immer ein Zimmer 103 oder 205 geben. Ich bin dieses Mal in Zimmer 208 gelandet. Ich hab mich schon des öfteren gefragt, wieviel Nassauer sich in dem Wissen der allgemeinen Zimmernumeralistik in Deutschland jährlich das Hotelfrühstück ergaunern?

So komme ich denn noch leicht schlaftrunken aus dem Aufzug zum Frühstücksraum. Es riecht nach Kaffee und gebratenem Speck. Neben dem Zerberus liegen die Zeitungen, ich spechte schon nach der FAZ. „Ihr Name bitte?“, will der Zerberus wissen. „208“, antworte ich automatisch.

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