Nicolai Levin

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Lob des Euro

Jaja. Schon gut. Der Euro. Die Krise. Die Katastrophe. Es hält uns fest in den Krallen. Wenn wir weiterhin in der Eurozone für Griechenland, Italien und alle anderen den Kopf hinhalten, werden wir schon bald nichts mehr zu essen haben. Sie werden Lebensmittelkarten einführen, und wir werden die Katzen schlachten müssen.

Euro-Bargeld (Foto: Wikipedia)

Euro-Bargeld (Foto: Wikipedia)

Mal im Ernst: Ich finde den Euro richtig gut. Trotz Krise hält sich der Preisanstieg in sehr moderaten Grenzen – erinnert sich überhaupt noch jemand an die unsägliche „Teuro“-Diskussion angesichts der Währungsumstellung? Der Innenwert hält sich gut, die Statistiker bestätigen uns das, die Preise für die Verbraucher sind seit der Einführung der Gemeinschaftswährung geringer gestiegen als zu DM-Zeiten in Deutschland. Auch im Außenwert bleibt der Euro fest – die Umtauschkurse gegenüber den anderen großen Weltwährungen jedenfalls schwanken nur mäßig und ergeben keine Abwärtstendenz. Also zahl ich nicht drauf, wenn ich mein Gehalt in Euro bezahlt bekomme.

Umgekehrt hab ich jede Menge Vorteile, wenn ich meine Ausgaben in Euro tätigen kann – gerade im Ausland. Der Euro ist eine der großen Weltwährungen und wird einfach überall akzeptiert, wo fremde Währungen anerkannt werden. An Schweizer Geldautomaten und in Banken in Argentinien. Dollar und Euro – die beiden gehen immer. Vor der Währungsunion war das gerade im außereuropäischen Ausland nicht so sicher.

Dann spare ich mir innerhalb Europas das Umtauschen. Zu D-Mark-Zeiten hatten wir in der Familie immer mehrere Geldbeutel für den Urlaub – einen für Schillinge, einen für Franken, einen für Lire. Die Umtauschkurse waren zwar ziemlich fest innerhalb Europas, aber man musste eben immer tauschen und abschätzen, wie viel man braucht an Fremdwährung. Dazu in Ländern, wo man nur alle Jubeljahre hinkam, die Gefahr, dass die Banknoten vom letzten Urlaub inzwischen ausgemustert wären. Ich erinnere mich an einen sehr skurrilen Besuch bei der Filiale der Banque de France in Lyon, um einen nicht mehr gültigen Hundertfrancschein einzutauschen.

Mit der Umtauscherei war das schreckliche Umrechnen von Preisen verbunden. In Österreich immer das grauenvolle Siebenereinmaleins – das ergab bei glatten Schillingsummen immer saublöde Markbeträge. „Hundertochzg Schülling bittesehr, Herr Doktor!“ – Äh, hundachtzig durch sieben, puh, zackzack – äh also hundertvierzig sind zwanzig, zweihundertzehn sind dreißig, irgendwas dazwischen … Italien mit 1000:1 war leicht, Frankreich mit 3:1 ging auch so, aber Schweiz oder Italien war sehr lästig. Und heute? Steht im „Economist“, dass der Cappuccino am Markusplatz 12,50 Euro kostet – das sind umgerechnet 12,50 Euro und somit viel Geld.

Wie sehr man sich an den Komfort der Währungsunion gewöhnt hat, wird einem klar, wenn man mal nach Dänemark oder Schweden fährt. Umtauschen, extra Geldbeutel, Preise umrechnen – das volle Programm. Und wie es nervt! Die Schweiz zählt nicht, da darf man die Preise eh nicht umrechnen, weil alles so unanständig teuer ist.

War schon sehr schön: Bettina von Arnim auf dem 5-DM-Schein (Foto: Wikipedia)

War schon sehr schön: Bettina von Arnim auf dem 5-DM-Schein (Foto: Wikipedia)

Bleibt als einziger Wermutstropfen, dass die Banknoten nicht richtig schön sind. Die Architekturbilder kommen ästhetisch nicht an die Köpfe der DM-Zeit ran, die junge Bettina von Arnim auf dem grünen Fünfer war schon weit erfreulicher anzuschauen, als der romanische Brückenrumpf, der die Euronote ziert. Hoffen wir also auf künftige Serien. Aber beim Euro bleiben wir bitte!

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