Nicolai Levin

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Wolfgang Herrndorf ist tot

Wolfgang Herrndorf ist tot. Er hat sich erschossen – wohl als ihm klar wurde, dass der bösartige Tumor, der seit drei Jahren in seinem Kopf wütete, ihn der Sprache beraubte.

Ich bin vor ein paar Monaten auf Herrndorfs Blog “Arbeit und Struktur” gestoßen – http://www.wolfgang-herrndorf.de -, in dem er in einer Art Tagebuch völlig unsentimental von seinem Leben und Sterben Zeugnis ablegte.

Ich fühlte mich immer ein wenig wie ein Voyeur, wenn ich dort vorbeischaute. Es kam mir irgendwie unangebracht vor, ja: unanständig, die Etappen dieses aussichtslosen Kampfes zu verfolgen; aber dann sagte ich mir: Wenn er nicht wollte, dass man’s liest, würde er seine Texte ja nicht ins Netz stellen.

Wenn ein paar Wochen kein neuer Eintrag da war, schlich ich mich auf Wikipedia, um zu checken, ob nicht vielleicht Herrndorfs Tod unbemerkt an mir vorbeigegangen wäre.

Nun ist es also soweit. Ein mir gänzlich unbekannter Mensch, der dennoch nahe war, ist tot. Sein Blog soll postum als Buch erscheinen, und ich kann es schon jetzt allen Lesern empfehlen. Es erscheint jetzt auch nicht mehr komisch, vom Sterben zu lesen – jetzt, wo er’s hinter sich hat.

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