Nicolai Levin

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Limburg, Rom, Dresden: Ein Lob der kirchlichen Verschwendung

Ein katholischer Bischof steht vor der Ablösung. Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst liefert ein Schauspiel, das man nicht alle Tage geboten bekommt. Dabei wird er für meinen Geschmack in einem Kernpunkt der Kritik zu Unrecht angegriffen.

Zu Person und Charakter des Mannes hier kein Wort. Ich selbt kenne ihn nämlich nicht. Auch die Führung seines Bistums soll nicht mein Thema sein. Ich zähle nicht zu den Schafen seiner Herde

Wohl aber betreffen mich seine Bausünden. Der Bischofssitz zu Limburg wurde weit teurer als geplant, und da bin ich als Kirchensteuerzahler betroffen. Sonderwünsche und Extrawürste sollen es gewesen sein, die die Kosten durch die Decke gehen ließen. Keiner war da, der dem Ganzen Einhalt geboten hätte, und das ist natürlich fatal. Jeder Bauherr, den ich kenne, hatte Pläne für schöne, verwegene, exklusive Lösungen, die sich am Ende nicht verwirklichen ließen, weil das Geld eben nicht reichte. Selbst sehr wohlhabende Menschen aus meinem Bekanntenkreis mussten irgendwo statt handpoliertem Granit aus biologischem Abbau schnöden Beton verwenden. Ein Bauherr, dem niemand die Schranken des Bezahlbaren aufzeigt, das kann und darf es einfach nicht geben! Inwieweit man verlangen darf, dass sich der oberste Kirchenfürst mäßigend selbst an die Kandare nimmt, wenn keiner sonst da ist, der ihn einbremst, bleibt für mich eine offene Frage

Wo ich abweiche von der allgemeinen Verdammung des “Prunk-Bischofs” ist kurioserweise genau die Frage von Pracht und Prunk. Dem Bischof wird vorgeworfen, dass er seine Residenz allzu prächtig haben wollte. Das aber finde ich gar nicht so schlimm.

Wieder einmal hören wir den Vorwurf, was man denn alles von den dreißig oder vierzig Millionen hätte Gutes tun können. Diese Argumentation erscheint mir auch hier scheinheilig. Ja, es gibt Not und Elend auf der Welt, aber wir alle müssten in Sack und Asche gehen, wenn wir uns hier unangreifbar halten wollten. Ja, Sie, Herr Zeitungskritiker, was hat denn Ihre Designerkrawatte gekostet? Und Sie da, die korpulente Dame in der zweiten Reihe, was ist mit Ihrem üppigen Ehering? Der ist aus purem Gold, einen Tausender bekommt man bestimmt dafür. Und selbst der bärtige Herr dahinten mit dem Schlabberpulli: Die Campingreise an die Adria letzten Sommer, davon hätte man auch in Afrika ein paar Kinder einen Monat lang satt bekommen … Nein, mit alternativen Verwendungsmethoden für das gute Geld sollten wir nicht anfangen! Da sitzen wir alle im Glashaus.

Auch ein verschwenderischer Prachtbau: Die Frauenkirche in Dresden (Foto: Wikipedia)

Auch ein verschwenderischer Prachtbau: Die Frauenkirche in Dresden (Foto: Wikipedia)

Natürlich darf man fragen, ob alles in rechtem Maß geblieben ist. Es geht immerhin um das Geld anderer Leute. Aber auch da darf in meinen Augen gerade die Kirche durchaus mal über die Stränge schlagen. Die Kirche ist dazu da, ihre Mitglieder in der Glaubenspraxis zu begleiten und zu unterstützen und außerdem – so der biblische Auftrag – die Frohe Botschaft in die Welt hinauszutragen. Prachtvolle, beeindruckende Bauten haben da schon immer zum Handwerkszeug dazugehört, neben starken Texten und berührender Musik.

Schließen Sie mal die Augen und denken Sie an große Städte in Europa. Welche prägenden Bauwerke kommen Ihnen in den Sinn? Es gibt wohl kaum eine Stadt, bei der Sie nicht an erster oder zweiter Stelle an eine Kirche denken. Die Dome von Paris, Köln, Barcelona und Wien. Auch die oberste Pfarrkirche von Rom, der Petersdom, ist ja nicht eben eine bescheidene Holzbude! All diese wunderbaren Bauwerke haben viel Geld gekostet. Auch dieses Geld hätte man anderswo anlegen können. Unsere europäische Kultur ist durchdrungen von Ausdrucksformen der Verherrlichung der christlichen Gottheit. Das ist ein kulturelles Erbe, an das man durchaus anknüpfen darf.

Das Bedürfnis, sichtbare Markierungen des eigenen Glaubens in die Landschaft zu setzen, ist dabei kein rein katholisches Ding. Der Wiederaufbau der im Kriege zerstörten lutherischen Frauenkirche von Dresden kostete 180 Millionen Euro, gut die Hälfte davon kam aus Spenden. Wer hat da geschrien? Warum auch? In Zeiten, wo in Ostdeutschland die Leute nicht mehr wissen, weshalb wir Weihnachten oder Ostern feiern, darf und soll die Kirche Zeichen setzen, auch bauliche.

Schließlich muss eine derartige Investition auch rein finanziell keine schlechte sein, wenn man nur lang genug hinschaut. Ludwig II. ruinierte die bayrischen Staatsfinanzen mit seiner Bautätigkeit. Heute danken sowohl der Finanzminister (dem die Schlösser und Seen unterstehen) als auch die Tourismusbranche dem bekloppten “Kini”, dass seine sinnlosen Prachtbauten jedes Jahr viele Feriengäste in den Freistaat locken. Ob der Limburger Bischofssitz da mithalten kann, weiß ich nicht. Aber dieses Urteil sollten wir vielleicht unseren Nachkommen in ein paar Generationen überlassen.

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1 Comment

  1. Kira says:

    Ich denke, das Problem in diesem Fall ist, dass der werte Herr Bischoff keine Kirche, welche ja zum Nutzen und das religiöse Zentrum der gesamten Gemeinde wäre, bauen möchte, sondern eine Bischoffsresidenz.
    Sein eigenes Haus also. Dorthin kommt nur selten ein normaler Gläubiger.

    Zudem ist der Bischoff auch schon durch Erste-Klasse-Flüge zu einem Besuch bei den Armen in Indien negativ aufgefallen.
    Er hat dort keinerlei Hilfe geleistet (weder finanziell, noch tatkräftig), sondern meinte, mit seiner puren Anwesenheit zu helfen.
    Dies kann er gerne tun, aber muss es dafür ein Flug in der Ersten Klasse sein?

    Seien wir ehrlich: Ein bisschen Bescheidenheit würde dem werten Bischoff ganz gut tun…

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