Nicolai Levin

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Bewährtes aus Gallien – der neue Asterix

Der neue Asterix ist da. Und er ist gar nicht mal so schlecht. So richtig genial kann er ohnehin nie wieder werden.

Nach den Erfahrungen der letzten Bände (“Gallien in Gefahr”, “Obelix auf Kreuzfahrt”) haben die langjährigen Fans mit Sorge auf die neue Veröffentlichung aus dem kleinen unbeugsamen Dorf gewartet.

Sie konnten erleichtert aufatmen. Keine Superheldenmickymäuse aus dem All, keine sphärischen Atlantiden – nein, all die Gimmicks, mit denen uns Uderzo in seinen letzten Alben das Fürchten gelehrt hat, bleiben uns diesmal erspart.

Stattdessen bietet “Asterix bei den Pikten” eine solide bodenständige Geschichte, nicht sonderlich komplex, wenn wir ehrlich sind. Autor Jean-Yves Ferri schickt Asterix und Obelix mal wieder auf Reise in ferne Länder, diesmal eben nach Schottland, wo der böse Mac Aberrh sich – als heimlicher Komplize der Römer – zum König der Schotten ausrufen lassen will.

Man kann leicht einwenden, dass Story und Dialoge lange nicht an die besten Leistungen René Goscinnys heranreichen. Vermutlich stimmt das sogar.

Aber wir sollten dabei nicht vergessen, dass Goscinny – wie so viele andere Genies – in seinem Mythos natürlich durch seinen frühen Tod (1977 im Alter von 51 Jahren) von Jahr zu Jahr wächst. Es waren andere Zeiten, es waren andere Leser mit bescheidenen Erwartungen, für die Goscinny seine großen Asterix-Geschichten schrieb. Geistreiche Anspielungen aufs Tagesgeschehen, pfiffiger Wortwitz, die raffinierte Verknüpfung von fiktiven Abenteuergeschichten mit historischen Fakten. In den 1960-ern und 1970-ern konnte man damit den Comic revolutionieren und auch die gebildeten Erwachsenen für die neunte Kunst begeistern.

Heute ist der Comic für Erwachsene etabliert und die Verknüpfung von historischen Themen und satirischer Gegenwartskritik ein alter Hut. Die Leser von heute haben über das Leben des Brian und die Ritter der Kokosnuss gelacht, sie haben drölfzig Zeitreisenkomödien aus Hollywood gesehen. Sich über nationale Stereotypen lustig zu machen, wie das Goscinny in vielen seiner Asterixgeschichten getan hat – dafür haben wir längst Bülent Ceylan und Mario Barth.

Der ganz eigene und geniale Witz von Asterix hat sich schlicht überlebt. Vielleicht wäre es spannend zu erleben, welche neuen Wege ein Ausnahme-Autor wie Goscinny heute finden würde – aber dazu ist er halt leider zu tot.

An Didier Conrads Zeichnungen ist wie zu erwarten nichts auszusetzen. Seit vielen Jahren schon ist Asterix das Ergebnis einer Studio-Arbeit, insofern war kein herber Qualitätsverlust zu befürchten.

Für meinen Geschmack sind die Zeichnungen sogar fast zu gut, zu detailliert. Wenn man die Alben aus der Zeit zur Hand nimmt, als es noch keinen Computer gab und die Reproduktionstechnik gröber war, mussten die Geschichten mit weniger Details auskommen.  Das tat nicht schlecht. Manche Mienen blieben unbestimmter als heute, man konnte mehr hineindeuten, sich seine eigenen Asterixwelten schaffen.

Auffällig ist die größere Detaildarstellung bei den Prügeleien. Da machte es früher “Patsch”, Männchen flogen durch die Luft, und am Ende hatten die Vermöbelten ein blaues Auge und ein schiefes Grinsen, aber wunderbarerweise blieben ihnen dauerhafte Schäden erspart. So wie Conrad die Schlägereien zeichnet, muss man fürchten, dass sich die Leute richtig verletzen, sogar Blut fließt andeutungsweise. Da geht sie dahin, die Magie, dass es gewaltfreie Raufereien geben könnte.

Anspielungen grafischer Natur gibt es auch – in bewährter Form. Mac Aphon, der “gute” Pikte, ist sehr deutlich dem Indianer Umpah-Pah nachempfunden (einer in Deutschland weniger bekannten Goscinny/Uderzo-Figur), und Bösewicht Mac Aberrh trägt die Züge von Vincent Cassel (was mir ohne Lektüre des Wikipediaartikels erstmal nicht aufgefallen war).

Sie haben also getan, was sie konnten, die Autoren; so kann es durchaus weitergehen mit einer bewährten amüsanten Comicserie. Dass es trotzdem nie mehr so großartig werden wird, wie einst bei den Schweizern, dem Avernerschild oder auf Korsika – dafür können die Asterixmacher nichts.

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