Nicolai Levin

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“Ich auch! Ich auch!” – Zwanzig Dinge über mich …

Ein Gespenst geht um in den Blogs, als “Stöckchen” wird es weitergereicht von Seite zu Seite: Es geht darum, 20 Dinge über sich selbst zu offenbaren.

Das ist pure Onanie, schimpfen manche, und ich finde, sie haben völlig recht damit. Aber andererseits: Ist die gesamte Bloggerei etwa was anderes? Ich jedenfalls bin im Blog von Formschub (http://www.formschub.de/blog/?p=2748) draufgestoßen, simples Googeln hat Dutzende weitere “20-Dinge-über-michs” zutage gebracht, darunter eine herrliche Parodie von IsabelBogdan (http://isabelbogdan.de/2013/10/16/20-dinge-ueber-mich-die-sie-noch-nicht-wussten/). Wie auch immer, nach reiflicher Überlegung konnte auch ich ganz spontan nicht widerstehen:

  1. Natürlich heiße ich nicht wirklich Nicolai Levin. Warum aber blogge ich nicht unter meinem bürgerlichen Namen – oder erlaube wenigstens den Rückschluss darauf, wie so viele andere? So extrem oder delikat sind meine Einlassungen ja nicht, dass ich fürchten müsste, von der Staatsmacht oder zornigen Bürgern zur Rechenschaft gezogen zu werden. Es ist so: Ich verdiene mein Geld mit dem Verkauf von Dienstleistungen. Ziemlich viele Leute kennen meinen Namen und suchen auch aktiv nach meinen Spuren im Netz. Ich hab keine Lust, etwa einen Auftrag von Herrn X (Kettenraucher aus Dresden) zu verlieren, nur weil ich mich hier mal kritisch mit dem Thema Tabak auseinandergesetzt habe oder die Sachsen verspotte. Das Pseudonym hab ich mir aus dem Bücherschrank geholt; im Lieblingsstrang meines Lieblingsromans ‘Anna Karenina’ heißt eine Figur so. Man findet im Netz schnell einen dänischen Fotografen gleichen Namens. Ich weiß nicht, ob der auch bürgerlich so heißt; ich hab jedenfalls nichts mit ihm zu tun.
  2. In meinem Beruf bin ich ziemlich erfolgreich, obwohl ich mich im Grunde nicht die Bohne dafür interessiere. Tief in mir träume ich davon, anderweitig groß rauszukommen, so dass mein Job nur noch mein “Brotberuf” wäre – so wie bei Walter Kempowski oder Louis Begley (deren Werke ich sehr schätze). Dazu fehlt mir jetzt dann nur noch ein passender Roman.
  3. Ich war sechzehn, als ich zum ersten Mal das Meer gesehen habe. Da ich meinen vielgereisten gleichaltrigen Mitreisenden nicht gestehen wollte, dass es “mein erstes Mal” war, musste ich nach außen ganz cool bleiben. Innerlich aber habe ich diesen großen, späten Moment sehr intensiv genossen.
  4. Mir bedeutet Geld an sich nichts. Finanzielle Dinge sind mir lästig; ich will nur einfach die Sicherheit haben, dass immer genug Geld am Konto liegt. Allerdings mag ich sehr gerne schöne Dinge, und ich weiß natürlich, dass ich Geld brauche, um mir die kaufen zu können. Ich könnte dabei mühelos das Zehnfache meines Einkommens ausgeben, ohne dass ich mir besondere Extravaganzen leisten würde.
  5. Bei Büchern oder Filmen, die mir nicht gefallen oder mich langweilen, quäle ich mich trotzdem meist bis zum Ende durch. Irgendwo scheine ich die Sorge zu haben, dass das Buch, das ich nach hundert Seiten weggelegt habe, im letzten Viertel dann doch noch total super werden könnte und ich was verpasse … Bis jetzt war das freilich bei keinem der Bücher oder Filme, die ich zäh bis zum Ende konsumiert habe, so.
  6. Ich finde mich selbst ziemlich schlicht gestrickt. Meine Freundin sieht das anders.
  7. Ich liebe es, wenn die Sonne mir ins Gesicht scheint und mir Nase, Stirn und Backen sanft wärmt. Vielleicht hängt es mit meiner Abneigung gegen die “dunkle Jahreszeit” zusammen, vielleicht habe ich sogar eine Neigung zur Winterdepression. Ich weiß es nicht so genau. Aber wenn ich mein Gesicht in die warme Sonne halten kann, geht’s mir gut.
  8. A propos Winter: Mir fehlt jedes Talent für Sportarten, die auf Eis oder Schnee betrieben werden.
  9. Der Satz “Ich kann nicht gut lügen” gehört offensichtlich irgendwie zum allgemeinen Pflicht- und Standardrepertoire. Ich habe dagegen den Eindruck, dass ich mich leicht belügen lasse. Ich bin nicht gut darin, Lügner zu durchschauen. Wahrscheinlich liegt das an fehlendem Einfühlungsvermögen und Feingefühl.
  10. Nie wieder habe ich mich so intensiv verliebt wie im Kindergarten.
  11. Ich fahre ein ziemlich schickes Auto. Lange Zeit war ich beruflich richtig viel mit dem Auto unterwegs (mit “richtig viel” meine ich über 1.000 Kilometer pro Woche). Trotzdem halte ich mich für einen eher schlechten Autofahrer. Ich kenn mich auch mit Autos überhaupt nicht aus und kann daher bei Fachsimpeleien nicht mitreden. Vermutlich bin ich der einzige heterosexuelle Mann meines Jahrgangs, der sich noch nie eine “Auto, Motor & Sport” gekauft hat.
  12. Ich kriege regelmäßig Zustände, wenn ich anderen Menschen beim Essen zuhören muss. Die Kaugeräusche anderer treiben mich in den Wahnsinn. Das hat nichts mit deren Tischmanieren oder mit einer generellen Menschenfeindlichkeit zu tun: Es stört mich auch dann massiv, wenn der Mensch in Hörweite ganz sittsam isst oder ich ihn sehr gern mag.
  13. Es gibt zwei Filme, die mir Albträume bzw. schlaflose Nächte bereitet haben: “Die Brücke” von Bernhard Wicki aus dem Jahr 1959 und “Funny Games” von Michael Haneke aus 1997. Ich halte beide dennoch für sehr gut und empfehlenswert und möchte es nicht missen, sie gesehen zu haben.
  14. Unabhängig von Geschlecht und Alter – ich mag es nicht, wenn Menschen ihre Haare färben. Das würdevolle und demütige Akzeptieren von grauem Haar und Glatzenbildung zählt für mich zu den Übungen, die das Älterwerden mit sich bringt.
  15. Es stört mich, wenn mich Menschen anfassen, die nicht zu meinem engsten Familien- oder Freundeskreis zählen. Diese Leute, die einem in Konferenzräumen die Hände auf die Schultern legen oder einem die Unterarme anpatschen, die kann ich gar nicht haben!
  16. Ich hab einen ziemlich konstanten Musikgeschmack. Natürlich kommen immer wieder neue Sachen hinzu, die ich gut finde, und manche frühere Leidenschaft hat sich inzwischen etwas abgekühlt. Eigentlich gibt es aber nichts, das ich mal klasse fand und heute total ablehne. Manche Leute spielen ja gerne dieses Gesellschaftsspiel, sich gegenseitig die ersten Musikstücke zu gestehen, die man sich in früher Jugend als CD oder gar als Schallplatte gekauft hat; da genieren sich die meisten ganz entsetzlich ihrer “Jugendsünden”. Ich höre meine ersten Musikkäufe auch heute noch gerne.
  17. Im Supermarkt stelle ich mich ungeachtet der Länge meist in die Schlange mit der hübschesten Kassiererin. Als meine Freundin das bemerkt hat, schwankte ihre Reaktion zwischen spöttischem Kopfschütteln und ehrlichem Entsetzen über soviel sexistisch motivierte sinnlose Ineffizienz.
  18. Als Kind habe ich die Begriffe “Touristen” und “Terroristen” verwechselt. In den frühen siebziger Jahren war das ein nicht ganz belangloser Irrtum. Die Erwachsenen fanden es sehr herzig, als sie davon erfuhren, aber mich hat es ehrlich geschockt, als ich im Radio hörte, dass der deutsche Fremdenverkehrsverband dieses Jahr über eine Million ausländischer Touristen erwartet.
  19. Ich hab noch nie eine Folge Star Trek gesehen.
  20. Ich freue mich über Besuche auf meinem Blog. Allerdings scheinen sich die wenigsten hier für mein Geschreibsel zu interessieren. Offenbar ist meine Twitter-FAQ so ungefähr die einzige Stelle im deutschsprachigen Web, die den Begriff “Non-Mention” bzw. die 22-Uhr-Nonmention erklärt. Ein bisschen fühl ich mich dann immer wie die Bahnhofsmission.
  21. Auf Twitter schreibe ich unter dem Namen … ach halt! Die zwanzig sind ja schon voll. Dann also nicht.
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1 Comment

  1. Carsten says:

    Ich entdecke viele Gemeinsamkeiten, bei den Meisten Stöckchenfakten denke ich: stimmt, ich auch.
    Im übrigen lese ich dein Blog sehr gerne.

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