Nicolai Levin

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Herr Mißfelder, es reicht!

Ein Politiker benimmt sich merkwürdig. Journalisten recherchieren und wollen ihm kritische Fragen stellen. Sie erhalten als Antwort Anwaltsbriefe mit Unterlassungsaufforderungen und Schadensersatzdrohungen. Der Politiker: Philipp Mißfelder. Die Diagnose: ganz schlimm.

Worum es genau geht, können Sie hier nachlesen – es lohnt sich:

http://www.faz.net/aktuell/politik/philipp-missfelder-ein-mann-will-nach-osten-13015861.html

Kurz zusammengefasst: Philipp Mißfelder, Chef der Jungen Union und Schatzmeister der NRW-CDU, hat seltsame Dinge getan. Er feierte mit Wladimir Putin in St. Petersburg den Geburtstag von Gerhard Schröder, er hat in letzter Zeit repräsentative Mandate und Beratungsaufträge übernommen, die aufhorchen lassen. Er umgibt sich mit Menschen aus dem Dunstkreis der russischen Oligarchie – von denen einige Leute finden, das schicke sich nicht. Journalisten, die nachgefragt haben und genaueres wissen wollten, erhielten geharnischte Anwaltsbriefe zur Antwort. Man möge das unterlassen und solle nur ja nichts Falsches schreiben, sonst würden möglicherweise Schadensersatzansprüche geltend gemacht.

Mich erinnert das ans Kino. Man kennt das aus Mafiafilmen, dass einem Reporter empfohlen wird, besser seine Nase nicht weiter in die Angelegenheiten irgendwelcher Paten zu stecken. Fehlt nur noch der blutige Pferdekopf im Bett.

Der Auftraggeber ist aber nicht irgendein Don Corleone, sondern ein Spitzenpolitiker aus Deutschlands größter Regierungspartei! Allein das ist ein Skandal, den die CDU schleunigst beheben sollte, indem sie Herrn Mißfelder aus seinen Ämtern entfernt.

Für mich gibt es nur zwei Schlüsse: So verhält sich nur jemand, der entweder paranoid ist oder der tatsächlich Dreck am Stecken hat. In jedem Fall aber scheint Philipp Mißfelder ein paar Grundgedanken unserer Demokratie nicht verstanden zu haben. Von freier Berichterstattung und unabhängigen Medien hält er jedenfalls dem Anschein nach nicht allzu viel. Na, macht ja nichts, tun seine feinen Freunde aus Russland ja auch nicht.

Nur weil ein winkeliger Opportunist offenbar klammheimlich auf die dunkle Seite der  Macht wechseln will, darf sich die freie Presse freilich nicht beugen. Und sie beugt sich auch nicht: Chapeau vor der FAZ, dass sie das Thema jetzt offensiv ausficht!

Den Anwälten der Kanzleien Danckert und Bub, Gauweiler sei ins Stammbuch geschrieben, dass man – zumal mit gutgehender Kanzlei – durchaus Mandate ablehnen kann – eventuell sogar aus Gewissensgründen, so vorhanden.

Herr Mißfelder aber mag sich vergnügen, mit wem er will. Soll er sich von schmutzigen Öldollars kaufen lassen, mag er Kaviar fressen und in Champagner baden. In der politischen Arena der Bundesrepublik Deutschland aber spielt er hoffentlich sehr bald keine Rolle mehr!

Nachtrag vom 13.07.2015: Heute erfahren wir in den Nachrichten, dass Philipp Mißfelder gestorben ist. Mit nur 35 Jahren an einer Lungenembolie. Ich habe lange überlegt, ob ich diesen gegen ihn gerichteten Artikel jetzt entferne. Ich lass ihn stehen – nicht um den Toten herabzuwürdigen, sondern um des Themas willen. Die Freiheit der Medien ist immer noch wichtig, und sie wird immer noch bedroht.

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