Nicolai Levin

Home » Kultur » Lektüre für den Liegestuhl 2014.

Lektüre für den Liegestuhl 2014.

Es ist wieder Ferienzeit. Ein paar Buchtipps für Strand, Liegestuhl oder Balkon hab ich auch dieses Jahr wieder für Sie.

Arno Geiger kommt aus Österreich. Seine Geschichten spielen zumeist in oder um Wien. “Es geht uns gut” ist ein großartiges Panorama österreichischer Zeitgeschichte – eine opulente Familiensaga über drei Generationen und das gesamte 20. Jahrhundert hinweg. Dabei knapp und kurzweilig und in weniger als 300 Seiten geschrieben. Was ich an Geiger besonders schätze, ist sein Blick auf Menschen: seine Figuren sind so aus dem echten Leben gezeichnet, so vielseitig! Einen guten Einstieg in Geigers Werk für den interessierten Neuling bietet vielleicht die Kurzgeschichtensammlung “Anna nicht vergessen.” – auch wenn da die Themen und die Örtlichkeiten (viel spielt in Deutschland) nicht ganz repräsentativ sind für Geigers sonstiges Werk.

A propos Kurzgeschichten: 2013 erhielt die kanadische Kurzgeschichtenschreiberin Alice Munro den Literaturnobelpreis. Ich hab mich aus diesem Anlass an ihren Sammelband “Runaway” gewagt und war hellauf begeistert. Wofür andere Autoren Romane von vielen hundert Seiten schreiben, das komprimiert Munro auf knappe Storys von zwanzig oder dreißig Seiten. Geschichten, die einem im Gedächtnis bleiben, Figuren, die nachhallen im Kopf. Kaum eine Geschichte ist dabei, die man einfach so beiseite legt und gedanklich abheftet. Ihre Erzählungen spielen in Kanada und die Helden sind weiblich, das ist aber auch alles, was sie gemeinsam haben.

Auch Mario Vargas Llosa wurde schon mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Um ihn im Original zu lesen, reicht mein Spanisch leider nicht aus. Ich habe kürzlich seinen höchst amüsanten Roman “Ein diskreter Held” gelesen. Man sollte wohl ein bisschen Verständnis mitbringen für die Gesellschaft in Lateinamerika, wo die Klassenschranken der Spanier noch bestehen, wo man traditionell umso höher steht, je stärkeren Bezug man zu Europa hat. Aus diesem Kontext strickt Vargas Llosa zwei Erlebnisse alter Männer, die am Ende natürlich zu einem Ende verwoben werden. Der alternde Manager einer Versicherungsgesellschaft wird von seinem Chef gebeten, Trauzeuge bei der Hochzeit mit seiner Hausangestellten zu sein – und muss gegen Eifer und Widerstand des Rests der Familie kämpfen, die ihr Erbteil entschwinden sehen. Der andere, ein Kleinunternehmer weigert sich, Schutzgeldforderungen nachzugeben und muss mit der Entführung seiner Geliebten zurechtkommen. Es geht spannend zu, humorvoll, derb und mit Schwung.

Vargas Llosas Roman ist fast schon ein Krimi. Jedenfalls geht es um die Aufklärung von verbrechen. Davon handeln auch viele Romane von Jakob Arjouni, der 2013 starb. Ihm zu Ehren habe ich mir “Bruder Kemal” gegönnt – den letzten seiner Kayankaya-Krimis. Wie immer wirkt die Mickey-Spillane-mäßige hartgekochte Brutalität ein bisschen deplatziert im beschaulichen Frankfurt-Bockenheim, aber die Geschichte stimmt, der Lokalkolorit passt, und die Figuren haben ihren eigenen Reiz. Ich finde, dass sich Arjouni immer weiter nach oben gearbeitet hat in der Entwicklung seiner Kriminalgeschichten; mit “Bruder Kemal” liefert er für mich den weitaus besten Roman der Reihe ab. Und wenn es am schönsten ist, geht es nun nicht weiter. Sehr schade!

Hoffen wir, dass Jörg Maurer noch lang gesund und munter bleibt. Seine “Föhnlage” jedenfalls kann ich empfehlen. Der läuft unter dem Label ‘Regionalkrimi’. Wer Bayern mag, wer Garmisch kennt, wird seine Freude haben an der sehr skurrilen und etwas makabren Geschichte über den Tod im Kursaal.

Sehr englisch dagegen ist John le Carré. Seinen Roman “A Delicate Truth” habe ich auch mit viel Vergnügen gelesen. Ein aufstrebender Karrierediplomat und ein Pensionist aus dem Foreign Office machen sich aus ganz unterschiedlichen Gründen daran, die Hintergründe eines geheimen Antiterroreinsatzes in Gibraltar vor vielen Jahren zu erforschen. Gut konstruiert, interessant geschrieben und spannend zu lesen!

Und was hab ich mir in diesem Jahr selbst für den Urlaub mitgenommen? Der dickste Schinken kommt von Donna Tartt und heißt “The Goldfinch”. Frau Tartt hat den Pulitzerpreis 2014 dafür bekommen, und die Zusammenfassung klingt vielversprechend. Als Krimi wird mich – trotz Blutrunst und Grausigkeit – ein Roman von Simon Beckett begleiten: “The Call of the Grave”. Und in der Reihe ‘Klassiker, die man endlich mal lesen sollte’ nehme ich mir C.S. Lewis’ “Chroniken von Narnia” mit in die Ferien. Mal schauen,

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: