Nicolai Levin

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Gaza konträr – oder: Das Schweigen der Lämmer

Im Heiligen Land tobt ein ziemlich hässlicher Krieg. Die Hamas feuert blindwütig Raketen auf israelisches Land; die israelische Armee kämpft ohne Gnade gegen die Palästinenser in Gaza. Der Konflikt entzweit die Gemüter. Überall. Nur nicht am Ort des Geschehens.

Alle diskutieren über Gaza. Auf der Straße, in den sozialen Netzwerken, den Blogs und Foren, am Stammtisch und im Caféhaus. Die Meinungen sind geteilt. Die einen sagen, Israel habe ein Recht, sich zu verteidigen – so lange Tag für Tag tödliche Raketen aus Gaza gezündet würden, sei das Land im Verteidigungszustand. Die anderen klagen, erst die missliche Lage der Menschen in Gaza habe es so weit kommen lassen, und die israelische Armee nehme bei ihrem Rachefeldzug keine Rücksicht auf Kinder und Zivilisten. In Europa mischen sich arabischstämmige Migranten mit altlinken Antizionisten und den üblichen Verdächtigen vom rechten Rand auf Demos, wo aus israelkritischen Slogans schnell dumpfer Judenhass wird.

In der ganzen Kakophonie von Für und Wider, in den Debatten um Moral und Macht vermisse ich eine Stimme: Kritik aus Palästina. An den Aktionen der eigenen radikalen Führung.

In Europa und Amerika werden beide Seiten (von unterschiedlichen Quellen) scharf kritisiert. Auch in Israel selbst gibt es durchaus Stimmen, die Mäßigung anmahnen und eine Verhandlungslösung fordern.

Nur die Palästinenser in Gaza, die stehen anscheinend wie ein Mann hinter der Hamas. Man sieht sie im Fernsehen, die Kopftuchmütter, die lauthals schreiend vor den westlichen Kameras ihre toten Kinder beklagen. Die entschlossenen Kämpfer, die Parolen, die allen Juden den Tod wünschen.

Wo bleibt mal einer, der ruft: “Ich möchte meine Kinder nicht durch eine israelische Kugel verlieren. Und deshalb will ich nicht, dass die Hamas die Kinderspielplätze von Gaza als Raketenrampe missbraucht!”?

Wo höre ich die Klage: “Meine Frau musste sterben, weil die Hamas-Kämpfer sich unter die Menschenmenge gemischt haben, nachdem sie ihre Geschosse abgefeuert haben!”?

Wer jammert: “Wir haben hier nichts zu essen und keine Medizin, weil die Tunnel nach Ägypten von den Lieferungen mit Raketenteilen, Waffen und Munition für die Terrorkämpfer blockiert sind!”?

Wer fordert auch auf palästinensischer Seite Mäßigung, Vernunft und Kompromissbereitschaft ein? Niemand.

Entweder die Bewohner von Gaza sind wirklich so fanatisch und überzeugt, das Richtige zu tun. Dann hält sich mein Mitleid mit ihnen in Grenzen. Oder (das ist die wahrscheinlichere Variante) die Hamas unterdrückt jede abweichende Meinung brutal, so dass niemand den Mund aufzumachen wagt. Dann aber kann man die israelischen Aktionen nur als Beitrag zur Befreiung des palästinensischen Volkes begrüßen.

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