Nicolai Levin

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Der Feind meines Feindes = ?

Die Bundesregierung schenkt Waffen an die kurdischen Kämpfer, die im Norden des Iraks verzweifelt versuchen, den Vormarsch der Islamisten des Islamischen Staates (IS) zu verhindern. Keine gute Idee. Gar keine gute Idee.

In der gestrigen Bundestagsdebatte haben die Redner vor allem die ethische Komponente dieser Waffenlieferung diskutiert. Es gibt aber auch ganz schnöde strategische Gründe, dagegen zu sein.

“Der Feind meines Feindes ist mein Freund.” Nach dieser Logik erfolgt die großzügige Gabe. Aber können wir den Kurden vertrauen? Was, wenn sie den Islamisten unterliegen und ihre Waffen ausgerechnet denen in die Hände fallen? Oder, noch weiter gedacht: Was ist, wenn die Kurden Erfolg haben und nach dem Sieg über den IS ihren eigenen kurdischen Staat ausrufen?

Wenn sie dann auch die kurdischen Gebiete der Türkei in Anspruch nehmen und ihre Landsleute dort mit Gewalt heim ins Reich holen – dann könnte es sogar passieren, dass die Türkei als Nato-Mitglied den Bündnisfall ausruft. Die Alliierten der Nato müssten ihnen dann zur Seite eilen. In diesem Fall müssen die Nato-Truppen (unter denen auch deutsche Soldaten sein können) auf einmal gegen einen Gegner antreten, der sie mit ihren eigenen Waffen bekämpft!

Die Islamisten von IS sind zweifellos ein übler Haufen, der die Menschenrechte mit Füßen tritt und überall, wo er das Sagen hat, eine Schreckensherrschaft errichtet. Mit Diplomatie wird man wohl nicht weit kommen gegen derlei verbohrte Fanatiker. Wer dem Einhalt gebieten will, muss also in den sauren Apfel beißen und selbst in den Krieg ziehen.

In Afghanistan hat der Westen das 2001 getan. Gegen die Taliban hat die Weltgemeinschaft Soldaten und Material in großer Menge losgeschickt und sich auf einen langen verlustreichen Kampf eingelassen.

Die Entscheidung, die Feinde des IS aufzurüsten, ist der schlechteste denkbare Weg. Das hat schon mal nicht funktioniert. Gehen wir in die 1980-er zurück und schauen wir wieder nach Afghanistan. Damals hatte die Sowjetunion das Land besetzt, und die einheimischen Widerstandskämpfer der Mudschahedin wehrten sich in einem langen zähen Guerillakrieg gegen die Besatzer. Die USA versorgten die Rebellen seinerzeit mit Luftabwehrraketen und anderen Waffen. Als die Sowjets abgezogen waren, stellte sich leider heraus, dass die islamischen Gotteskrieger halt doch nicht dankbar mit den Gewehren und der Munition auch die Denkungsart ihrer amerikanischen Kumpels angenommen hatten. Und der Westen erlebte, dass er wohl doch aufs falsche Pferd gesetzt hatte.

Im Irak gibt es ebensowenig wie in Afghanistan oder in Syrien eine Kampfpartei, die der Westen vorbehaltlos als Alliierten betrachten darf. Und wenn es im Spiel keine Guten gibt, sondern nur Bösewichter unterschiedlicher Schattierung, dann muss man eben selbst in die Schlacht ziehen, wenn man Ruhe haben will. Klingt bitter, ist aber so.

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