Nicolai Levin

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Lindners Wutrede: Vielleicht zuckt die FDP ja doch noch?!

Der heftige Ausbruch von Christian Lindner im Düsseldorfer Landtag macht die Runde bei Twitter und Youtube.

Auf viralem Wege beschert er der FDP und ihrem Vorsitzenden vermutlich mehr öffentliche Wahrnehmung und Sympathien als in allen letzten Landtagswahlkämpfen zusammengenommen.

Nach all der Häme, die die FDP über sich ergehen lassen musste (zuletzt wegen ihres kläglichen Versuchs, sich mit einem neuen Logo positiv in die Schlagzeilen zu bringen), kann man ihr diese mediale Streicheleinheit mal einfach so gönnen. Zudem zeigt uns der Auftritt Lindners, dass es tatsächlich bedauerlich wäre, wenn die FDP restlos von der politischen Bildfläche verschwände.

Einmal wäre es schade um das politische Talent von Christian Lindner. Es macht Freude, ihm zuzusehen, wie er da geradezu lustvoll am Rednerpult frei von der Leber weg sein Thema verficht. Das erinnert an die alten Kämpen der Bonner Republik, an Wehner, Strauß & Co. Lindner ist ein brillanter Redner, einer der es auch aus dem Stegreif kann, der seine gegenwärtigen Gedanken in die richtigen Worte formt. Politiker dieses Formats sind rar in unseren Parlamenten!

Doch die Wutrede Lindners zeigt auch inhaltlich, wie es in unserer großkoalitionären Christsozialdemokratischen Einheitssoße an einer politischen Stimme fehlt, die im Zweifel auf den freien Markt setzt, die nicht alles vom Staat regeln und machen lassen will. Die es der Vernunft der Leute überlässt, auch mal ihre Angelegenheiten selbst zu regeln.

Ja, schon, die Grünen haben in vielerlei Hinsicht die einstige FDP beerbt. Viel vom Habitus und von der Klientel der Liberalen haben sie aufgesaugt, und auch in der bürgerlichen Lebenswelt sind sie angekommen. Aber wenn es zur Nagelprobe kommt, tendieren auch sie zum Etatismus und rufen im Zweifel nach dem Staat.

Nun hat die FDP in den letzten Jahren viel unternommen, damit man ihr diese unvoreingenommene Liberalität nicht mehr abgekauft hat. Sie hat sich als Klientelpartei für Freiberufler und Hoteliers einspannen lassen, und sie hat sich viel zu sehr als Lobbyistin der Wohlhabenden und Kräftigen verstanden. Wenig Staat hieß für die FDP immer viel zu sehr: “nur keine Einschränkungen und keine Abgaben für die Reichen, die Armen sollen sehen, wo sie bleiben”.

Christian Lindner hat mit seiner Düsseldorfer Wutrede einen kleinen Eindruck gegeben, wie eine FDP kämpfen könnte, wenn sie sich wirklich Freiheit für alle auf die Fahnen schreiben würde.

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