Nicolai Levin

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Wenn ich aber keinen Krimi will …?

Gestern abend war ich Buchkaufen. Nein, anders: Gestern ging ich in ein Einkaufszentrum, in dem sich auch eine Buchhandlung befindet. Und da ich Lektüre brauchte und ins Freibad nur ungern mit Kindle gehe, wollte ich mir ein Buch kaufen – so richtig mit Umschlag und aus Papier und aus dem Buchgeschäft.

Normalerweise weiß ich bei Büchern genau, was ich will. Ich notiere mir die Titel, die ich lesen möchte und kaufe dann sehr gezielt. Nicht so gestern. Ich war einfach nur am Stöbern, wollte mich inspirieren lassen von dem, was mir präsentiert würde. Einzige Einschränkung: Kein Krimi – ich hatte in letzter Zeit eine Menge mittelmäßiger Krimikost konsumiert und erstmal die Nase voll von Mord und Totschlag.

Was soll ich sagen? Ich war entsetzt. Mein erster Gang führte mich zu den Bestsellern – die hatte ich entweder schon zu Hause oder es waren Krimis oder Jojo Moyes.

Also schlenderte ich zu den Präsentationstischen. Sie hatten vier davon im Belletristik-Bereich. Einer mit Hardcovern, den ließ ich aus Geldgründen gleich links liegen, einer mit Krimis und einer mit pastellfarbenen Umschlägen und Schrifttypen voll schräger Schnörkel: Frauenliteratur. Das sollte mich nicht abhalten, schließlich bin ich ein moderner emanzipierter Mann! Leider klang dann alles entweder nach Beziehungskitsch oder nach Jojo Moyes.

Also wandte ich mich zum vierten und letzten Tisch: Bunte Titel, stimmungsvolle Fotos und comicartige Zeichnungen. Neuerscheinungen? Tipps der Mitarbeiter? Nein. Regionalkrimis. Alles Regionalkrimis. Aus der Provence, dem Sauerland, vom Starnberger See und der Nordseeküste. Geht es nach Deutschlands Buchkunden, wird in den Heustadeln des Voralpenlandes, den Jägersitzen der Mittelgebirge und hinter den Deichen des Wattenmeeres ausschließlich gemordet, was dann irgendwelche skurrilen Ermittler mit Lokalneurosen aufzuklären haben.

Was lernt uns das? Wenn du als traditioneller Buchkäufer weder mit Kluftinger & Co. auf Kässpätzletour gehen magst  noch die neuesten drölf Werke von Jojo Moyes haben willst, bist du in diesen Tagen echt gearscht.

 

P.S.: Am Ende wurde ich im Sachbuchbereich fündig: Gute Tage – Reportagen und Begegnungen von Roger Willemsen. Mal schauen, ob der mich mehr fesselt als der provenzalische Sauerlandkiller.

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