Nicolai Levin

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Interrail von der EU? Eine tolle Idee. Und bezahlbar dazu!

Der Fraktionschef der Christdemokraten im Europaparlament, Weber, hat vorgeschlagen, jedem Unionsbürger zum 18. Geburtstag ein Interrail-Ticket zu schenken. Das finden viele andere gut, aber es kostet halt, wenden Kritiker ein. Unfug! (Also das mit den Kosten, nicht die Idee, an sich – die finde ich gut!)

Interrail ist klasse. Und wenn alle jungen Unionsbürger die Gelegenheit bekommen, umsonst ihre Nachbarn zu besuchen, kann das der europäischen Idee nur guttun. In der Sache habe ich noch keinen Widerspruch gehört. Nur die Kosten! Denn, so die Bedenkenträger, pro Jahr werden in der EU derzeit rund 5,4 Millionen Menschen 18 Jahre alt. Und wenn nur die Hälfte bis zwei Drittel der Achtzehnjährigen das Geschenk annehmen sollte, würde die Aktion 1 bis 1,5 Milliarden Euro kosten.

Das ist natürlich eine Menge Geld! Aber heiliger Bimbam! Liebe Politiker! Habt ihr denn gar nicht aufgepasst bei Kostenrechnung? Oder habt ihr alle bloß Jura studiert?

Gehen wir mal zum Ordner mit den Unterlagen aus dem Grundstudium der Wirtschaftswissenschaften vor vielen vielen Jahren. Auf dem Papier mag so ein Interrailticket für einen Monat knapp 500 Euro kosten. Aber die EU sollte die Tickets doch deutlich billiger bekommen …

Aus Kostensicht ist der Großteil der Interrailkosten nämlich fix. Die Gleise des europäischen Bahnnetzes sind verlegt, die Bahnhöfe stehen, und die Züge, mit denen Europas Jugend fahren will, sind ohnehin unterwegs – mit oder ohne EU-Interrailer. Die erhöhte Abnutzung dürfte angesichts des sonstigen Verkehrsaufkommens nicht ins Gewicht fallen. Reservierungsansprüche gibts keine (die muss man extra kaufen), also nimmt die Jugend den übrigen Reisenden auch nicht die Sitzplätze weg. Für die Bahnunternehmen entstehen echte Kosten damit nur dann, wenn ein Jugendlicher sich das Ticket, das er geschenkt bekommt, auch vom eigenen Geld gekauft hätte, wenn er es nicht geschenkt bekommen hätte. Die Ökonomen nennen das Opportunitätskosten.

Jährlich knapp 250.000 Interrailtickets wurden in den vergangenen Jahren in Europa verkauft. Man muss unter 26 sein, um eins zu bekommen – und wir nehmen mal an, unter 16 werden die wenigsten Jugendlichen auf eigene Faust quer durch Europa reisen dürfen. Macht also für die 16- bis 26-Jährigen eine Altersspanne von zehn Jahren. Damit entfallen rein rechnerisch etwa 25.000 Tickets auf die Gruppe der 18-Jährigen, die wir im Auge haben. Lassen wir es 30.000 sein, wenn wir annehmen, dass die 18-Jährigen die Reisefreudigsten ihrer Kohorte sind (und weil es sich dann einfacher rechnet). Damit kostet der Spaß nicht 1,5 Milliarden, sondern 30.000 mal 500 = 15 Millionen Euro. Mit 15 Mio EUR müsste man die Bahngesellschaften entschädigen, denen das Geschäft mit Interrailtickets für 18-Jährige wegbrechen wird.

15 Millionen Euro gibt die EU vermutlich für das Wässern der Grünpflanzen in den Gängen des Kommissionsgebäudes aus oder für Werbung für Urlaub in Sachsen-Anhalt oder als Subventionen für schwedische Giraffenzüchter. 15 Millionen sind für Europa nichts! Das  Interrailen aber könnte etwas werden für Europas Jugend – es ist jedenfalls eine sinnvolle und gute Idee, junge Europäer einander näher zu bringen.

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