Nicolai Levin

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Airbusfahrer

22 Prozent mehr Gehalt wollen die Piloten der Lufthansa, und dafür streiken sie. Die Passagiere ärgern sich, die Maschinen bleiben am Boden. Viele Beobachter schütteln die Köpfe, angesichts des Lohnniveaus, das Lufthansapiloten schon jetzt genießen.

Nun ist es natürlich jedermanns gutes Recht, mehr Geld zu fordern. Schließlich würden die meisten von uns nicht nein sagen, wenn es mehr Gehalt gäbe. Auf lange Sicht haben die Piloten aber schlechte Karten, behaupte ich.

Zugegeben: Kurzfristig haben die Piloten ihren Arbeitgeber im Würgegriff. Die Lufthansa erleidet mit jedem Streiktag Millionenschäden, die Kunden sind sauer, die schwer angeschlagene Konkurrenz darf sich freuen. Piloten lassen sich auch nicht von jetzt auf gleich ersetzen. Wenn die Kindergärtner streiken, können die geplagten Eltern einen Reihum-Notdienst in Selbstbetreuung aufziehen, beim Flugzeugfliegen wird das schwierig.

Aber mal grundsätzlich gefragt: Warum verdienen Piloten überhaupt so ein Schweinegeld?

Da ist einmal die lange Ausbildung, sagen die Piloten. Aber auch Förster und Erzieher durchlaufen lange Jahre an Unis und Schulen, bis sie ihr Berufsziel bei weit geringerer Entlohnung erreichen.

Im Grunde werden die Piloten exzellent und lang ausgebildet, um dann ein komplexes elektronisch gesteuertes Flugzeug zu steuern, das sich weitgehend automatisiert und maschinell bewegt. Das meiste regelt inzwischen der Computer, nur wenn der ausfallen sollte (oder kritische Entscheidungen zu treffen sind), ist die hohe Pilotenkunst noch gefragt. Die Notlandung auf dem Hudson River in New York 2009 war so ein Beispiel. Im Alltag erledigen Autopilot und Landeautomatik den Großteil der Arbeit im Cockpit.

Der bewusst herbeigeführte Absturz der Germanwings-Maschine in Südfrankreich 2015 zeigte, welchen Aufwand ein Pilot heutzutage unternehmen muss, um all die automatischen Helfer zu überwinden und das Flugzeug doch noch manuell in den Abgrund zu reißen. Fast ist es wie im ICE, nur dass die Kollegen der Bahn einen Bruchteil dessen bekommen, was die Lufthansa ihren Flugzeugführern bezahlt.

Piloten tragen Verantwortung für Menschenleben, lautet ein weiteres Argument für hohe Gehälter in der Luftfahrt. Das ist richtig, aber nur weil wir uns hoch am Himmel verlorener fühlen mögen als am Boden, ist das Risiko im Flugzeug auch nicht höher, als wenn wir ins Taxi steigen oder in den Bus. Wie sah es nochmal mit der Verdiensthöhe von Taxifahrern und Buslenkern aus?

Haben wir es vielleicht mit einem Marktphänomen zu tun? Mit Angebot und Nachfrage? Es sieht nicht so aus. Auch bei Fluglinien, die deutlich schlechter zahlen, finden sich genügend Kandidaten, die den Job machen wollen. Und offenbar nicht mal schlechte – denn auch bei Ryanair stürzen die Maschinen nicht häufiger ab als bei der Lufthansa.

Als ökonomisch interessiertere neutraler Betrachter kann man der Lufthansa nur raten, kurzfristig konsequent zu bleiben und auf lange Sicht das Gehaltsniveau dem (Welt-) Markt anzupassen. Denn wenn man so richtig in die Zukunft blickt, werden ferngesteuerte Drohnen auch im Passagierverkehr irgendwann ganz normal sein. Pilot ist so wenig ein Zukunftsberuf wie Lokführer oder Fernfahrer.

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