Nicolai Levin

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Der Puppenspieler aus Washington

Ich muss nicht zu jedem Thema meinen Senf geben, wirklich nicht. Aber wenn irgendwer in ein paar Jahren aus rein historischem Interesse auf diese Seite stoßen sollte, will ich auch nicht, dass es heißt: “Als die westliche Demokratie unterging, schrieb dieser Levin nur über Twitter und seine Kindheitserinnerungen.”

Mein Problem mit Trump ist, dass ich schon durch seine Wahl raus bin aus der Runde derer, die sich kompetent äußern dürften. Ich hab es nie für möglich gehalten, dass er es ins Weiße Haus schafft. Mir ging es am US-Wahltag ähnlich wie beim Brexit-Referendum: Ich hab das Spektakel beobachtet und war überzeugt, dass die Vernunft siegen würde, ja müsste. So deppert KÖNNEN sie nicht sein, dass sie das zulassen! Und ich ging zuversichtlich zu Bett, wachte am nächsten Morgen früh auf, griff zum Telefon, las die Nachrichten und fiel aus allen Wolken! Sie sind tatsächlich so deppert, sie haben es zugelassen!

Mein nächster Denkfehler folgte auf dem Fuße. Trump ist ein narzisstischer Gockel, dachte ich, dem es nur um das Aufplustern seines Egos geht. Sein mickriges Selbstwertgefühl braucht Futter von außen, und welche Bestätigung könnte größer und befriedigender sein, als das machtreichste Amt der Welt zu erringen. Er, der peinliche Parvenu, hatte es doch allen gezeigt, dem Establishment, dem alten Geld, den Kennedys und den Bushs, den Cliquen mit ihren Villen in Martha’s Vineyard. Mit seinem Proletencharme hat er die Hillbillies gewonnen, mit unerhörter und abstoßender Demagogie hat er seine Gegnerin fertig gemacht, und er hatte Erfolg damit. Alles was er will, ist, dass er zu hören bekommt, dass er der Größte ist, von allem und jedem.

Deswegen, so war ich überzeugt, sei er im Grunde gar nicht so gefährlich. Seine Wahlkampfthemen nur Getöse, wenn man ihm nur ordentlich um den Bauch geht und Honig ums Maul schmieren würde, gäbe er schon Ruhe.

Weit gefehlt! Trump wütet in ungekannter Form, höhlt Amerikas freiheitliche und rechtsstaatliche Prinzipien aus, haut mit seinem Maßnahmenhammer einfach drauf. Die einzige Art von Logik und Verstand, die ich ihm zugebilligt hatte, findet sich auf geschäftlichem Gebiet: Die Mauer nach Mexiko, potenzielle Handelskriege, Einreisesperren – all das schadet der US-Wirtschaft, die nach allgemeiner Einigkeit der Ökonomen auf Stärke in einem offenen Wettbewerb setzen muss. Für seine rechtspopulistischen Verfolgungswahnvorstellungen muss der amerikanische Konsument und Steuerzahler bluten. Der pure Wahnsinn!

Soweit der Stand der Dinge und meiner Ratlosigkeit. Gibt es eine Logik, die all das erklären könnte? Wenn Trump im Grunde unpolitisch ist (wovon ich immer noch überzeugt bin) und ausgesprochen dumm (wofür alles spricht, was er von sich gibt), dann stellt sich nur die Frage, wer von seinen Rambo-Aktionen profitiert?

Da ist zum einen sein Vertrauter und Berater Stephen Bannon. Ex-Soldat, Ex-Chef des rechtsextremen “Breitbart” Portals, Rassist und Demokratieverächter. Bannon hat offen erklärt, er wolle die staatlichen Institutionen zum Einsturz bringen. Mental also eine Mischung aus Kaiser Nero und den Herren ium Berliner Führerbunker Anno ’45. “Es zittern die morschen Knochen …”, sang einst die HJ in Deutschland, und Bannon – frisch in den nationalen US-Sicherheitsrat berufen – stimmt fröhlich ein. Der Typ ist unberechenbar, er ist krank, gefährlich und ein Feind all dessen, was wir als freiheitlich-demokratische Grundordnung klassifizieren. Dabei hat er, was Trump fehlt: Hirn. Alles, was Trump in seinen ersten Tagen im Amt verfügt hat, ist für Bannon eine Herzensangelegenheit. Zufall?

Der andere Nutznießer von Trumps Politik sitzt im Kreml. Russland lechzt nach einer Rückkehr zu Weltmachtstatus, will endlich wieder auf Augenhöhe mit den Amis stehen. Nachdem es aus eigener Kraft (trotz verlustreichen und teuren Kriegseinsätzen in der Ukraine und in Syrien) dazu nicht reicht, kommt es Moskau natürlich sehr entgegen, wenn die USA im Chaos versinken und sich als internationale Führungsmacht des freien Westens verabschieden.

Es klingt weit hergeholt, wenn Trump ein Ausführungsgehilfe Putins sein sollte. Eine völlig absurde Verschwörungstheorie eigentlich. Stimmt. Aber ich fand auch mal “House of Cards” ein wenig zu überzogen und krass …

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