Nicolai Levin

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Spagat auf dem Pavianfelsen

Die Vorzeichen stehen gut für Angela Merkel. Alle Prognosen zur Bundestagswahl sagen der CDU einen satten Vorsprung gegenüber der Konkurrenz voraus. Das demoskopische Aufleuchten der SPD im späten Winter erweist sich als Strohfeuer, und Martin Schulz muss strampeln, um noch als glaubwürdige Alternative fürs Kanzleramt zu erscheinen.

Tatsächlich führt wohl kein Weg an einer weiteren Amtsperiode für Frau Merkel vorbei. Innenpolitisch gibt es kaum Themen, mit denen die SPD gegen die Union punkten könnte; wie auch, wo die Sozis die Regierungspolitik der Großen Koalition ja mittragen und -konzipieren?

Außenpolitisch blickt die freie Welt sorgenvoll nach Berlin und hofft, dass ihr Führer im Amt bleiben darf.

Es begann als Scherzchen im Internet während Merkels Besuch in Washington, dass ”the Leader of the Free World” sich mit Donald Trump treffe. Freilich steckt ein großes Stück Wahrheit in dem bösen Scherzwort. Merkel ist, so scheint es, die einzige Erwachsene in einer Horde halbwüchsiger Burschen. Die Gruppe der bedeutendsten Staatsmänner und Regierungschefs wird in den letzten Jahren von männlichen Alphatieren dominiert, die massive Egoprobleme haben. Wohin man schaut: Trump, Putin, Orbán, Erdoğan, Boris Johnson – man kommt sich vor wie auf dem Pavianfelsen, wo die Männchen ihre Statuskämpfe ausfechten und stolz demonstrieren, wessen Hinterteil am purpurrötesten leuchtet. Angela Merkel fällt da als rational kalkulierende Frau mit wenig Eitelkeit deutlich aus dem Muster. Sie pumpt ihr Blut nicht in den Popo, um ihn zum Leuchten zu bringen, sondern versorgt lieber ihr Großhirn mit Energie.

Man mag sich gar nicht ausmalen, was auf EU- oder G-7-Ebene geschehen würde, wenn der Ruhepol Merkel wegfiele.

Um so kurioser wirkt es, wenn man jetzt beobachtet, wie Frau Merkel im Wahlkampf demonstrieren muss, dass sie die Bodenhaftung nicht verloren hat und sich nicht zu schade ist, sich auch vor Ort um die Themen der Menschen da draußen im Lande zu kümmern. So freut sie sich über die Nominierung zur Direktkandidatin in ihrem Wahlkreis in Stralsund-Nordvorpommern lauter als über manchen Verhandlungserfolg in Brüssel.

Diesen Spagat muss sie hinbekommen, wenn sie weiter auf dem Pavianfelsen für Ergebnisse sorgen will.

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