Nicolai Levin

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Kunden, meidet die Deutsche Bank!

Libor-Manipulation, Steuerschweinereien, Kirchpleite – es gibt kaum einen Skandal in der Finanzwelt der letzten Jahre, an dem die Deutsche Bank nicht prominent beteiligt gewesen wäre. Vor den Glastürmen an der Frankfurter Taunusanlage parkten letzte Woche die Mannschaftswagen der Bundespolizei, und am nächsten Morgen war zu lesen, dass die Staatsanwaltschaft die Büros dort durchsucht hat. Und was tut der Chef der Deutschen Bank, um den Ruf des Hauses zu retten? Er beschwert sich telefonisch beim hessischen Ministerpräsidenten Bouffier, dass der Einsatz überzogen gewesen sei.

Wie kommt es, dass Deutschlands größte Bank ihr (bis vor kurzem beachtliches) Renommé so leichtfertig aufs Spiel setzt? Hocken bei der Deutschen Bank doch die bösesten und skrupellosesten Kapitalisten, die jetzt ihr wahres, hässliches Gesicht zeigen? Oder gönnen die frustrierten Staatsanwälte und Ermittler da draußen den Deutschbankern ihren Erfolg nicht und ermitteln so lange, bis sie was finden, während die andern Finanzheinis, die genauso handeln, in Ruhe gelassen werden?

Vermutlich weder noch. Was mich erschüttert, ist nicht die Verfehlung, sondern die Dreistigkeit, mit der die Verantwortlichen damit umgehen.

Die Verführung, sich zum eigenen Vorteil unangemessen zu verhalten, zu lügen und zu betrügen, ist für jeden von uns Tag für Tag zu greifen. Wer wäre noch nie schwarz gefahren? Wer hätte noch nie die Tatsachen bei der Steuererklärung zumindest etwas hingebogen? Oder ein privates Malheur zulasten der Haftpflichtversicherung ausgebügelt? Wenn man sich jetzt noch vorstellt, unter welchem wirtschaftlichen Druck die handelnden Personen stehen und dazu addiert, dass das Finden von lukrativen Geschäftsmodellen zu deren täglichem Job gehört, dann lässt sich vielleicht erahnen, wie schnell in so einem Herrengremium Einigkeit herrscht, lieber den ertragreichen Weg jenseits von Recht und Gesetz zu wählen. Nachvollziehbar ist dieses Verhalten, aber deswegen natürlich nicht zu entschuldigen.

Transparenz und Einfachheit wären der erste Weg, solche kriminellen Verirrungen zu stoppen. Wenn die Regelungen glasklar sind, wenn sie jeder versteht und auf den ersten Blick erkennen kann, was Recht ist und was nicht, wird es schon mal schwieriger, sich als Täter hinter dem Nimbus des erfolgreichen Dschungelkämpfers zu verstecken.

Ein zweiter wichtiger Aspekt dürfte die soziale Ächtung sein. Wenn die Deutsche Bank tatsächlich Kunden verliert, die mit derartigem Geschäftsgebaren nicht in Verbindung gebracht werden wollen, wenn die Manager fürchten müssen, bei den Rotariern und im Golfklub gemieden zu werden, dann ist viel gewonnen. Wirtschaftsverbrechen gelten vielen als Kavaliersdelikt – eigentlich hat hier ein Wandel in der öffentlichen Wahrnehmung erst stattgefunden, als die Steuerbetrügereien vom damaligen Postchef Zumwinkel bekannt wurden. Freilich hat der in der privaten Sphäre betrogen – wer zugunsten des Unternehmens bescheißt, hat es immer noch leichter in der Öffentlichkeit.

Soweit haben wir es politisch in der Hand, die kriminelle Energie von Bankmanagern in legalen Bahnen zu halten.

Der dritte und wesentliche Punkt ist aber das Risiko, erwischt zu werden. Wer weiß, dass in der U-Bahn nach 22 Uhr nicht mehr kontrolliert wird, kommt eher in Versuchung, mal eben ohne Fahrkarte von der Kneipe heimzufahren. So eine Risikoabwägung ist für Manager Alltagsarbeit, sie müssen jeden Tag Entscheidungen auf ihren Erfolg unter Risiko treffen. Wenn sich die Manager der Deutschen Bank also bewusst und vermeintlich rational für ihr Verhalten entschieden haben, dann haben sie entweder eine sehr schlechte Meinung von der Leistungsfähigkeit der Justiz bzw. der Bankenaufsicht oder sie gehen davon aus, wegen irgendeines Sonderstatus dem Wirkungsmechanismus von Kontrolle und Strafe enthoben zu sein – so wie die afrikanischen Kindersoldaten, die sich dank ihrer Zauber-Amulette für unverwundbar halten.

Die Nachrichten der letzten Wochen belegen: Beide Varianten waren offenbar krasse Fehleinschätzungen. Nun müssen Manager keine Heiligen sein, man darf von ihnen nicht mehr Anstand und Moral erwarten als vom Rest der Menschheit. Aber eben auch nicht weniger. Für die Dummheit ihrer Fehleinschätzungen jedenfalls gehören sie bestraft. Von der Justiz, deren Job das ist, und von den Kunden, die diesem Kreditinstitut hoffentlich in Scharen den Rücken kehren werden. Selbst wenn es den Beteiligten also am moralischen Radar mangeln sollte (worüber wir uns nicht erheben sollten, siehe oben), dann sollte zumindest dieser letzte Punkt stechen: Denn mit derartig kurzsichtigen Stümpern dürften Geschäftsleute, die was auf sich halten, eigentlich nicht mehr zusammenarbeiten.

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